Zum Tag der deutschen Sprache widmen wir uns den Möglichkeiten der Sichtbarmachung von weniger sichtbaren Gruppen in der deutschen Sprache und damit auch einem sehr umstrittenen Thema: dem Gendern. Entgegen den Erwartungen mancher stellen sich Linguist*innen mehrheitlich nicht gegen das Gendern, sondern betrachten es als spannendes Sprachwandelphänomen.
Im Sonderheft 36 der Linguistischen Berichte Genderbezogene Personenreferenzen: Routinen und Innovationen werden einige Aspekte des Phänomens beschrieben. So untersucht beispielsweise Stevanović, ob das geschlechtsübergreifende Maskulinum tatsächlich eine schon immer existierende Gebrauchsregel ist, während Völkening die Verwendung von Gendersternen aus konstruktionsgrammatischer Perspektive betrachtet und Pittner & Bierwald die Akzeptanz von innovativen geschlechtsneutralen Pronomina erforschen.
Aber auch andere Bereiche der Sichtbarmachung sind für die Linguistik interessant: Im aptum Themenheft Diversität und Inklusion in Korpora – digitale diversitäts- und inklusionslinguistische Impulse wird linguistische Inklusion mit ihren verschiedenen Facetten neu gedacht – in Bezug auf Behinderungen, psychische Krankheiten und queere Identitäten. Wer also mehr über die Vernetzung depressiver Menschen und die Darstellung von Behindertensport in den sozialen Medien erfahren will oder nachlesen möchte, wie deutsche Politiker über gleichgeschlechtliche Beziehungen verhandeln, wird in diesem Heft fündig.